Wolfsnachwuchs in Grünhaus

In den Jahren 2003 bis 2006 erwarb die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe 20 Quadrat-kilometer Flächen in den ehemaligen Tagebaufeldern zwischen Lauchhammer und Finsterwalde im Süden Brandenburgs, um die natürliche Wiederbesiedlung der von den Braunkohlebaggern geschaffenen Mondlandschaft mit Tieren und Pflanzen zu ermöglichen. In Erinnerung an das abgebaggerte Dorf Grünhaus wurde der nunmehr als Natur-entwicklungsgebiet gewidmete Tagebau „Naturparadies Grünhaus“ getauft. Das Gebiet würde, so die Einschätzung von NABU-Wolfsexperte Markus Bathen, aufgrund seiner Größe und seiner Abgeschiedenheit, irgendwann einmal Rückzugsraum für Wölfe werden, die etwa seit dem Jahr 2000 mit zunächst nur wenigen Exemplaren die Lausitz zu besiedeln begannen. Seit 2013 verdichteten sich die Hinweise, dass es in Grünhaus so kommen könnte.

Constanze Eiser, Biologie-lehrerin am Sängerstadt-gymnasium in Finsterwalde und ehrenamtliche Wolfsbeauftragte beim brandenburgischen Landesumweltamt (LUGV), bezieht Grünhaus auf Einladung der NABU-Stiftung seit 2013 in das Wolfsmonitoring des Landes mit ein. Mit Unter-stützung von NABU-Gebiets-betreuer Dr. Stefan Röhrscheid installiert sie Fotofallen und sucht nach Wolfsfährten und Losung, die für genetische Untersuchungen benötigt werden. Da Grünhaus noch bergbauliches Sperrgebiet ist, mussten auch die erforderlichen Genehmigungen zur Betretung von Sperrbereichen eingeholt werden.

Recht schnell gelingt ein Nachweis von zwei Wölfen durch die Aufnahmen zweier Fotofallen im September 2013. Die Hinweise auf einzelne Wölfe konnten in der Folge immer wieder bestätigt werden. Im Jahr 2014 gelangen Fotos, die ein Wildschwein jagende Wölfe zeigten. Durch Fährten wurde zudem belegt, dass mindestens drei Wölfe dem Naturentwicklungs-gebiet Grünhaus regelmäßig Besuche abstatten.

 

Gegen Ende Juni 2015 gelingt dann ein Foto, das einen älteren Wolf zusammen mit einem Wolfswelpen zeigt. Dieser ist etwa acht Wochen alt und dürfte seine Höhle bereits seit vier Wochen zur Erkundung der Umgebung verlassen haben. Noch ist der Aktionsradius junger Wolfswelpen diesen Alters so klein, dass die Wolfshöhle mit hoher Wahrscheinlichkeit im Umkreis weniger Kilometer zu suchen ist. Für Biologin Constanze Eiser, die in Grünhaus inzwischen viele Stunden investiert hat, ist das eine Bestätigung ihrer Vermutung. Denn alles spricht dafür, dass Grünhaus inzwischen das Fortpflanzungs­gebiet eines  Wolfsrudels ist. Richtig still ist Grünhaus als Rückzugsgebiet für Wölfe übrigens noch nicht überall, da hier zurzeit noch vielerorts Großmaschinen im Rahmen der Bergbausanierung dafür sorgen, dass keine Geländeeinbrüche und Böschungsrutschungen vorkommen können. Aber insgesamt finden die Wölfe genügend ungestörte Flächen, und in Form von Wildschwein, Reh und Rothirsch auch eine ausreichende Nahrungsgrundlage.

 

Kann man nun Wölfe im NABU-Paradies Grünhaus beobachten? Die Wahrscheinlichkeit, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, ist immer noch äußerst gering. Projektleiter Röhrscheid hat in den ganzen Jahren noch keinen gesehen und weist darauf hin, dass das Gebiet derzeit als bergbauliches Sperrgebiet für die Öffentlichkeit ohnehin gesperrt ist. Unkundige, die die Sperrschilder ignorieren, bringen sich sehr schnell in Lebensgefahr. Wer das Wolfsgebiet kennen lernen will, sollte sich daher einer geführten Wanderung anschließen. Mit etwas Glück kann man dabei immerhin eine Fährte oder Wolfslosung entdecken, versichert Projektleiter Stefan Röhrscheid.

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